Die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa) ist die einzige in Deutschland vorkommende Fangschreckenart. Lange galt sie als selten und war auf wenige wärmebegünstigte Regionen im Südwesten beschränkt. Seit den 1990er Jahren breitet sie sich jedoch stetig nach Norden aus und besiedelt inzwischen weite Teile des Bundesgebiets. 2017 wurde sie zum Insekt des Jahres gekürt.

Verbreitung in Deutschland

Historisch war Mantis religiosa in Deutschland nur in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und dem Saarland heimisch. Dort existierten stabile Populationen in den Weinbaugebieten entlang des Oberrheingrabens und an den warmen Hängen des Kaiserstuhls. Ab den 1990er Jahren begann die Art, ihr Areal deutlich zu erweitern. Heute liegen Nachweise aus Hessen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin vor. Vereinzelte Funde gibt es inzwischen auch aus Mecklenburg-Vorpommern (Wranik 2025).

Zwei Populationskorridore

Die Ausbreitung in Deutschland folgt zwei getrennten Korridoren, die sich genetisch und geographisch unterscheiden lassen (Kriegs et al., LWL). Der westliche Korridor geht auf Populationen in Frankreich zurück, die über das Elsass nach Baden-Württemberg und von dort rheinaufwärts nach Hessen und Nordrhein-Westfalen vordrangen. Der östliche Korridor hat seinen Ursprung in Populationen aus Tschechien und der Slowakei, die über Sachsen nach Brandenburg gelangten. Beide Korridore umfassen sowohl aktive Ausbreitung durch flugfähige Männchen als auch passive Verschleppung, etwa durch Pflanzentransporte oder Fahrzeuge.

Schutzstatus

Die Gottesanbeterin ist in Deutschland nach der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) als „besonders geschützt" eingestuft. Das bedeutet: Fangen, Verletzen oder Töten ist verboten, ebenso das Entnehmen aus der Natur. Beobachten und Fotografieren ist erlaubt und ausdrücklich erwünscht. In der aktuellen Roten Liste wird die Art als „Ungefährdet" geführt. In der aktuellen Bewertung (Poniatowski et al. 2024) verzeichnet das Rote-Liste-Zentrum eine „deutliche Zunahme" der Bestände. Der gesetzliche Schutz bleibt bestehen, weil die Art auf Lebensräume angewiesen ist, die durch Bebauung und intensive Landwirtschaft unter Druck stehen.

Lebensräume

Als wärmeliebende Art besiedelt die Gottesanbeterin in Deutschland vor allem trockenwarme Offenlandschaften: Trockenrasen, Magerwiesen, Brachflächen und Ruderalstandorte. Auch strukturreiche Gärten, Weinberge und sonnige Wegränder bieten geeignete Habitate. Entscheidend sind eine lückige Vegetationsstruktur mit ausreichend Sonneneinstrahlung und ein gutes Angebot an Beuteinsekten. In geschlossenen Wäldern kommt die Art nicht vor. Die klimabedingte Erwärmung begünstigt die Ausbreitung nach Norden, da die Ootheken (Eigelege) milde Winter zum Überleben brauchen.

Gottesanbeterin melden

Jede Sichtung hilft, die Ausbreitung der Gottesanbeterin in Deutschland besser zu verstehen. Ob im Garten, auf einer Brachfläche oder am Wegesrand: Melden Sie Ihre Beobachtung über unser Meldeformular. Ein Foto erleichtert die Bestimmung erheblich.

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